Hinweise zum Umgang mit der Coronavirus SARS-CoV-2 Epidemie in der Behandlung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Rheumaformen

Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Rheumaform, wie einer chronischen Polyarthritis, einer Psoriasisarthritis, einer axialen Spondyloarthritis, einer Kollagenose (z.B. systemischer Lupus erythematodes) und mit Vaskulitiden, gehören während einer erhöhten Phase der Krankheitsaktivität zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf einer Coronavirus-Infektion. Ein Rheumaschub, eine erhöhte Krankheitsaktivität gilt es daher insbesondere im Umgang mit dieser Virusepidemie, durch eine ausreichende medikamentöse Behandlung zu vermeiden.

Des Weiteren gehören Patienten, die Medikamente einnehmen, die die Immunabwehr unterdrücken, ebenfalls zur oben genannten Risikogruppe. In der Versorgung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Rheumaformen verwenden wir folgende Medikamente, die die Immunabwehr mit dem Ziel einer geringen Krankheitsaktivität unterdrücken

  • Synthetische Immunsuppressiva wie Methotrexat, Leflunomid, und v.a. bei Kollagenosen Azathioprin, Mycopholatmofetil, Cyclosporin A, Cyclophosphamid
  • Biologika wie die TNF-Blocker Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Golimumab, Infliximab; wie die Interleukin-6 Antagonisten Tocilizumab, Sarilumab; wie die Interleukin 17 Antagonisten Sekukinumab und Ixekinumab; und andere spezifisch wirkende Biologika wie Abatacept, Rituximab und Ustekinumab.
  • Janus-Kinase-Inhibitoren wie Baricitinib, Tofacitinib und Upadacitinib
  • Systemische Cortisontherapie mit Prednisolon, seltener mit Methylprednisolon, insbesondere in einer höheren Dosierung (>7,5mg Prednisolon-Äquivalent)

Es ist daher insbesondere während der Coronavirus-Epidemie unser Ziel, das Immunsystem so wenig wie nötig zu unterdrücken und damit so wenig immunsuppressiv wirksame Medikamente wie nötig zu verordnen, um unsere Patienten in einer stabilen Remission oder zumindest in einer niedrigen Krankheitsaktivität zu halten.

Andererseits ähnelt die Pathophysiologie, der Anstieg von verschiedenen Entzündungsproteinen bei einer schweren pulmonalen Infektion mit dem Coronavirus („Zytokinsturm“), in vielfacher Hinsicht dem Zytokinmuster bei einem Rheumaschub. Es mehren sich die Hinweise, dass es bei den schweren COVID-19 Verläufen zu einer Entzündung der Gefäße kommt, wie wir sie bei verschiedenen Rheumaformen beobachten können. Mehrere der oben genannten Therapien, wie z.B. die Interleukin-6 Antagonisten und verschiedene Janus-Kinase-Inhibitoren, aber auch ein anderes als Basistherapie verwendetes Medikament (Hydroxychloroquin) werden derzeit in Studien untersucht, inwieweit mit diesen Medikamenten der Verlauf einer Infektion mit dem Coronavirus abgemildert werden kann.

Es ergibt sich damit bisher kein Grund, die immunsuppressiv wirksamen Medikamente abzusetzen. Im Gegenteil, es gilt unverändert die Vorgabe mit dem Einsatz dieser Medikamente einen Rheumaschub zu verhindern, die jeweilige entzündlich-rheumatische Erkrankung möglichst optimal mit dem Ziel einer Remission zu behandeln, und zu vermeiden, dass eine Cortisontherapie erforderlich wird.

Ansonsten empfehlen wir unseren Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Rheumaform die und unter einer immunsuppressiven Behandlung stehen

  • Soweit noch Impfstoffe erhältlich sind: Impfungen gegen Pneumokokken und Keuchhusten
  • Konsequente Hygiene (häufiges Händewaschen etc.)
  • Vermeidung von direkten Kontakten außerhalb des Wohnraums
  • Bei jeglichen oberen und unteren Atemwegsinfekten, bei Fieber, trockenem Husten, bei Symptomen die auf eine Coronavirus-Infektion hindeuten, eine umgehende Pause der o.g. immunsuppressiven Therapie bis zum Abklingen der Infektion vorzunehmen.
  • Da Fieber auch ein Symptom einer aktiven chronisch-entzündlichen Rheumaform, und Husten auch eine Medikamenten-bedingte Nebenwirkung oder das Symptom einer nicht-infektiösen Lungenerkrankung sein kann, empfehlen wir in jedem Fall mit uns telefonisch Kontakt aufzunehmen, um das Vorgehen abzustimmen.